Von Mücken, Elefanten und der Macht in den Händen
Musiktheater von Bernhard Herbordt, Melanie Mohren und Hannes Galette Seidl
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“Konzentrieren Sie sich auf die Fakten. Hier gibt es heute kein Geheimnis. Es gibt nur was es gibt. Konzentrieren Sie sich auf die Geräusche Ihres Nachbars, auf das Knistern trockener Blätter und auf all die anderen Klänge, deren Ursprung Sie noch nicht erahnen können. Beobachten Sie die Fakten, und dann, wie Sie beim Beobachten der Fakten die Fakten verändern.”
Aus: Von Mücken, Elefanten und der Macht in den Händen
Einer hört nicht auf zu reden, um den Lauf der Dinge aufzuhalten. Ein anderer regiert Orkane mit seinen Blicken. Noch einer entdeckt unerforschtes Neuland. Sie streiten sich darum, wie man aus dem was es gibt, etwas machen kann was es noch nicht gibt. Im Schleier all ihrer leicht zusammengekniffenen Augen werden Konturen zu Schemen und diese Schemen zu Beweisen einer Zeit neben der Zeit, einer Vorstellung hinter der Welt oder davor - einer von vielen. Zwischen Musik und Theater, Geräusch und Klang, Mücken und Elefanten ist Macht nichts als die Grenze zwischen einer Vorstellungswelt und der nächsten. Dort nämlich, wo Mücken zu Elefanten werden, wo eingebildete Armeen und erfundene Abenteurer gemeinsam vermeintliches Neuland entdecken, gehen die Halluzinationen der Paranoiker mit machtvollen Inszenierungsformen in eins. Dort könnten die grauen Zentren der Macht zu finden sein, ihr Geheimnis und ihr immer abwesender Grund.
Von Mücken, Elefanten und der Macht in den Händen ist ein Spiel um Macht und ihren Verlust. Die Macht in den Händen der Instrumentalisten paart das intime Verführen des Instrumentes mit der Macht am Lautstärkeregler. Ein Spiel um die Grenzen von Musik und Theater - ein Spiel von Mücken, Elefanten und anderen (ohn-)mächtigen Verwandlungen.
Von Mücken, Elefanten und der Macht in den Händen entsteht im Rahmen des Fonds Experimentelles Musiktheater, einer Initiative von NRWKULTURsekretariat und Kunststiftung NRW zur Schaffung neuer Impulse zukünftiger Opern- und Theaterarbeit. Durch den Fonds werden in Kooperation mit NRW-Bühnen Projekte initiiert, die das Verhältnis von Musik und Theater beleuchten und unter Einbeziehung von Komponenten aus Musiktheater, Schauspiel und Bildender Kunst in neuen Darstellungsformen erfahrbar machen. Von besonderer Bedeutung für Von Mücken, Elefanten und der Macht in den Händen ist der gemeinsame Entwicklungsprozess von Komposition, Text und Regie durch Hannes G. Seidl und Herbordt/ Mohren.
“Herbordt/ Mohren arbeiten mit der Kraft der Imagination, die das bloß Faktische transzendiert, in dem sie immer eine andere, mögliche und vielleicht sogar bessere Welt eröffnet. Sie arbeiten mit der Potentialität des Abwesenden, mit dem, was sich zwischen den Perspektiven als unformulierter Raum eröffnet. Hierin liegt die politische Geste ihrer Stücke in einer Zeit des allmächtigern Kapitals, in der es immer schwieriger wird, sich eine alternative Welt überhaupt vorzustellen. [...] Herbordt/ Mohren behaupten die Bühne immer als Möglichkeitsraum. Das, was geschieht, ist nie nur das, was geschieht, sondern immer zugleich die Möglichkeit von etwas anderen, anders verknüpftem, verbundenen, einer neuen Wendung, die die Performer einschlagen könnten. Herbordt/Mohrens Stücke sind Stücke im Konjunktiv: da und nicht da zugleich, denkbar konkret und doch eine Schimäre unserer Vorstellung.”
Theater der Zeit, Juni 2007
“Hannes Galette Seidl hat ein feines Gespür für den alltäglichen Irrsinn, den wir Normalität nennen. Der musikalischen Warenwelt, die als klingende Bedarfsartikel, als allgegenwärtige Klangkulisse oder primitive Werbeträger angeboten wird, begegnet er, indem er sich damit auseinandersetzt, mit gewitzter Antithese. Mit unbändiger Lust an der Groteske, vor allem aber am klugen Komponieren, treibt er mit uns Hörern sein bissig-fröhliches Spiel. Und darin ist er sehr gegenwärtig und zugleich ganz zukünftig.”
Bernd Leukert
Komposition: Hannes Galette Seidl
Text, Regie: Bernhard Herbordt und Melanie Mohren
Ausstattung: Anike Sedello
Mit Andreas Hilscher, Theo Nabicht, Michael Pattmann, Andreas Roth, Sébastien Roux, Katharina Zoffmann u.a.
In Koproduktion mit dem Theater Bonn,
eine Initiative des
 und der

mit freundlicher Unterstützung von
ampnagel Hamburg,
 und
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